{"id":2,"date":"2016-05-10T03:48:21","date_gmt":"2016-05-10T03:48:21","guid":{"rendered":"http:\/\/derwaldrauscht.de\/?page_id=2"},"modified":"2019-11-13T16:56:12","modified_gmt":"2019-11-13T16:56:12","slug":"sample-page","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/derwaldrauscht.de\/","title":{"rendered":"Der Wald rauscht"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Wald rauscht<\/strong> ( Kerstin Signe Danielsson)<\/p>\n<p>Hast Du jemals die W\u00e4lder rauschen geh\u00f6rt? Wie Wellen am Strand: Berauschend, fesselnd, kraftvoll. Dort findet ein eigenes Leben statt, der geordneten Welt der Menschen wesensfremd. Es sind die Tiere, die dort ihr Zuhause haben, Tiere, die nicht domestiziert worden sind, sondern ihrem eigenen Treiben nachgehen. Manchmal bekommt man sie fl\u00fcchtig zu sehen oder erahnt durch eine pl\u00f6tzliche Bewegung oder ein unerwartetes Ger\u00e4usch ihre Existenz. Ihr geheimnisvolles Dasein \u00fcbt eine Anziehungskraft und Faszination aus; st\u00f6\u00dft man auf einem Spaziergang durch den Wald unvermittelt auf einen Fuchs oder einen Elch, erz\u00e4hlt man noch lange davon. Aber es sind nicht nur die Tiere, die ihre Geheimnisse haben. Mit Moos \u00fcberwachsene Steine und verrottete Baumst\u00fcmpfe k\u00f6nnen Mystik erzeugen und regen die Fantasie an. So sind W\u00e4lder auch seit Jahrhunderten das Zuhause von Trollen und Hexen, Riesen und Elfen. Hinter den R\u00fccken der Menschen f\u00fchren sie ihr Dasein, uralt und fantastisch. Wenn sich Nebel \u00fcber einen Waldsee senkt, kann man die Elfen darin tanzen sehen, trifft man auf gro\u00dfe Felsbrocken, ist es leicht sich vorzustellen, dass ein Riese sie dahingeworfen hat. Der Wald bietet eine Projektionsfl\u00e4che und ist scheinbar das, was die moderne Zivilisation nicht ist: Wild, mystisch und nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p>Gleichzeitig hat der Wald mit dem Einzug der Moderne seinen Charakter ge\u00e4ndert und ist nicht mehr das, was er einmal war. Im Laufe der Industrialisierung sind die Ressourcen des Waldes wirtschaftlichen Interessen untergeordnet und der Naturwald ist mehrheitlich kultiviert worden. Die romantische Vorstellung vom Wald ist in die Welt der M\u00e4rchen versetzt \u2013 das hei\u00dft, unwirklich geworden. Als Ronja R\u00e4ubertochter in Astrid Lindgrens Geschichte im Wald zum ersten Mal auf Birk trifft, den Sohn des rivalisierenden R\u00e4uberhauptmanns, fordert sie ihn auf sich aus ihrem Wald fern zu halten. Birk erwidert, dass die Einbildung, der Wald geh\u00f6re ihr, falsch sei: \u201eEs ist auch der Wald der W\u00f6lfe und der B\u00e4ren, der Elche und der Wildpferde. Und der Wald des Uhus und des M\u00e4usebussards, der Wildtaube, des Kuckucks und des Habichts. Und der Wald der Schnecken und Spinnen und Ameisen. (&#8230;) Es ist auch der Wald der Grausedruden und der Graugnomen, der Rumpelwichte und der Dunkeltrolle. (&#8230;) Wenn du ihn f\u00fcr dich allein haben willst, dann bist du d\u00fcmmer, als ich auf den ersten Blick geglaubt habe.\u201c* Ronjas Naivit\u00e4t ist deutlich entlarvt. Aber anders als in dem M\u00e4rchen von Lindgren haben die realen W\u00e4lder Besitzer und es ist keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, ihn mit der Fauna, die dort zu Hause ist, zu teilen. Modern kultivierte W\u00e4lder sind oft Kulturen mit gleichaltrigen B\u00e4umen derselben Art. Biotope aus altem, abgestorbenen Holz finden dort keinen Raum \u2013 daf\u00fcr werden die Wirtschaftsw\u00e4lder zu sehr \u201eaufger\u00e4umt\u201c und die B\u00e4ume zu fr\u00fch abgeholzt.<\/p>\n<p>Die Bilder R\u00fcdiger Tillmanns sind deskriptiv, keine romantische Verkl\u00e4rungen: sie zeigen W\u00e4lder, so wie sie heute aussehen. Um Eindr\u00fccke zu sammeln, ist Tillmann durch den Bayerischen Wald, das Sauerland und in den tiefen W\u00e4ldern des schwedischen Sm\u00e5lands gewandert. Die Ergebnisse, mit traditionellem Zeichenhandwerk \u2013 Tusche und Stahlfeder \u2013 eingefangen, zeigen Hybride aus Kultur und Natur: einen Schie\u00dfstand umgeben von wildgewachsenem Unterholz, einen angelegten Waldweg neben Baumst\u00e4mmen, die vom Sturm umgeknickt sind, einen Futterstand im Mischwald. Der enorme Zeitraum, den ein Wald in sich bergen kann, wird anhand eines verrotteten Baumstumpfs neben sprie\u00dfendem Laubwerk greifbar gemacht. Tillmanns Bilder laden ein, den Wald zu betreten. Wenn man den Schritt wagt und zwischen den B\u00e4umen entlangschreitet, kann man das Rauschen h\u00f6ren.<\/p>\n<p>*<em>Astrid Lindgren, Ronja R\u00e4ubertochter, Verlag Friedrich Oetinger Hamburg 1982. S. 55.<\/em><\/p>\n\n\n<p><strong>Skogsbrus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Har du h\u00f6rt skogen brusa? Som v\u00e5gorna mot en strand, f\u00e4ngslande och kraftfullt. I skogen f\u00f6rsigg\u00e5r ett liv v\u00e4sensskilt fr\u00e5n m\u00e4nniskans ordnade tillvaro. D\u00e4r \u00e4r djurens hem, djuren som inte domesticerats utan f\u00f6ljer sina instinkter. Det kan h\u00e4nda att man f\u00e5r en skymt av dem eller anar deras existens av en pl\u00f6tslig r\u00f6relse eller ett ov\u00e4ntat l\u00e4te. Deras hemlighetsfulla tillvaro fascinerar. St\u00f6ter man under en promenad genom skogen p\u00e5 en r\u00e4v eller en \u00e4lg ber\u00e4ttar man g\u00e4rna om det.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Men det \u00e4r inte bara skogens djur som har sina hemligheter. Mossbekl\u00e4dda stenar och f\u00f6rmultnade stubbar kan frambringa mystik och egga fantasin. Sedan \u00e5rhundraden \u00e4r skogen hem f\u00f6r h\u00e4xor och troll, j\u00e4ttar och \u00e4lvor. Bakom m\u00e4nniskornas ryggar lever de sina liv, urgamla och fantastiska. N\u00e4r dimman l\u00e4gger sig \u00f6ver en skogssj\u00f6 kan man f\u00e5 se \u00e4lvorna dansa och st\u00f6ter man p\u00e5 en stor stenbumling \u00e4r det l\u00e4tt att f\u00f6rest\u00e4lla sig att en j\u00e4tte kastat dit den. Skogen erbjuder en projektionsyta och \u00e4r det som den moderna civilisationen inte \u00e4r: vild, mystisk och naturlig.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Samtidigt har skogen med den moderna tidens int\u00e5g \u00e4ndrat sin karakt\u00e4r och \u00e4r inte l\u00e4ngre det, den en g\u00e5ng var. Med industrialiseringen blev skogen en resurs och m\u00e5ltavla f\u00f6r finansiella intressen. Naturskogen har i stor utstr\u00e4ckning kultiverats. Den romantiska f\u00f6rest\u00e4llningen av skogen har f\u00f6rpassats till sagornas v\u00e4rld \u2013 den har blivit overklig. N\u00e4r Ronja R\u00f6vardotter i Astrid Lindgrens ber\u00e4ttelse f\u00f6r f\u00f6rsta g\u00e5ngens tr\u00e4ffar p\u00e5 Birk, ber hon honom att l\u00e4mna hennes skog ifred. Birk svarar att hon \u00e4r dum om hon tror att skogen endast tillh\u00f6r henne. \u00bbDina r\u00e4vungar! Din Skog! R\u00e4vungarna \u00e4r sina egna f\u00f6rst\u00e5r du det? Och de lever i r\u00e4varnas skog. Som ocks\u00e5 \u00e4r varganas och bj\u00f6rnarnas och \u00e4lgarnas och vildh\u00e4starnas skog. Och uvens och ormvr\u00e5kens och skogduvans och h\u00f6karnas och g\u00f6karnas skog. Och sniglarna och spindlarnas och myrornas skog. (\u2026) Det ocks\u00e5 \u00e4r vildvittronars och gr\u00e4dv\u00e4rgarnas och rumpnissarnas och skumtrollens skog. (\u2026) Men vill du ha den f\u00f6r dej ensam, d\u00e5 \u00e4r du dummare \u00e4n jag trodde n\u00e4r jag f\u00f6rst s\u00e5g dej.\u00ab* Ronjas naivitet blottl\u00e4ggs. Men till skillnad fr\u00e5n sagornas v\u00e4rld, har de reella skogarna \u00e4gare och det \u00e4r ingen sj\u00e4lvklarhet att de delar den med faunan som \u00e4r hemma d\u00e4r. Moderna kultiverade skogar \u00e4r ofta monokulturer med j\u00e4mngamla tr\u00e4d av ett och samma tr\u00e4dslag. D\u00e4r finns ingen plats f\u00f6r biotoper i gammal d\u00f6d ved \u2013 skogsindustrin tar till vara p\u00e5 allt.<\/p>\n\n\n\n<p>R\u00fcdiger Tillmanns bilder \u00e4r inga romantiserade chim\u00e4rer: de visar skogar s\u00e5 som de ser ut idag. Ofta \u00e4r det hybrider av natur och kultur: vildvuxet sly runt ett jakttorn, tr\u00e4dstammar som kn\u00e4ckts i en storm bredvid en skogsstig, en krubba i blandskog. En f\u00f6rmultnad tr\u00e4dstubbe med spirande l\u00f6vverk i bakgrunden f\u00e5ngar tidsrymden som en skog kan rymma. R\u00fcdiger Tillmanns bilder bjuder in till en vandrig i skogen. Om man v\u00e5gar ta steget och tr\u00e4da in mellan tr\u00e4den kan man riktigt h\u00f6ra hur det susar i kronorna.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Kerstin Danielsson, 2017&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>*Astrid Lindgren, Ronja R\u00f6vardotter, Stockholm Rab\u00e9n &amp; Sj\u00f6gren 1981 S.54<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Wald rauscht ( Kerstin Signe Danielsson) Hast Du jemals die W\u00e4lder rauschen geh\u00f6rt? Wie Wellen am Strand: Berauschend, fesselnd, kraftvoll. Dort findet ein eigenes Leben statt, der geordneten Welt der Menschen wesensfremd. Es sind die Tiere, die dort ihr Zuhause haben, Tiere, die nicht domestiziert worden sind, sondern ihrem eigenen Treiben nachgehen. 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